Personalabteilungen im Krisen-Modus: Viel Angst, ewige KI-Piloten und kaum Strategie
Personalabteilungen im Krisen-Modus: Viel Angst, ewige KI-Piloten und kaum Strategie
Die Angst vor dem KI-bedingten Jobverlust ist in den Belegschaften massiv präsent. Doch anstatt die Mitarbeiter strategisch in diese neue Ära zu führen, stecken die deutschen Personalabteilungen (HR) im Krisen- und Einsparungsmodus fest. Die "Berufsfeldstudie" von Quadriga Hochschule und dem Bundesverband der Personalmanager (BPM) entlarvt: HR hat den Startschuss der KI-Revolution zwar gehört, aber noch nicht verstanden, dass sie am Rennen teilnehmen muss.
Die zentralen Ergebnisse:
- Verankerung fehlt, Piloten irren umher: Zwar ignorieren nur sechs Prozent der Personaler KI komplett, doch lediglich elf Prozent haben die Technologie operativ oder strategisch fest im Unternehmen verankert. BPM-Vizepräsidentin Katharina Herrmann kritisiert, dass Pilotprojekte als "ewige Ausrede" genutzt werden; sie würden umherirren, aber nie landen.
- Aufräumen statt Innovation: HR ist primär mit "harten Themen" wie Stellenabbau und Kostenkontrolle beschäftigt. Nur 41 Prozent der HR-Experten fühlen sich noch maßgeblich am Unternehmensstrategieprozess beteiligt – ein drastischer Rückgang gegenüber 2017.
- Die echten Hürden: Die Haupthemmnisse für den KI-Einsatz (jeweils von über 50 % genannt) sind fehlende Ressourcen, mangelnde Kompetenz in der HR-Abteilung sowie rechtliche Unsicherheit. Fehlender Support vom Management ist hingegen eher kein Problem.
- Neue Einsatzbereiche & brüchige Karrieren: Wenn KI genutzt wird, dann am häufigsten im Recruiting und beim Onboarding. Gleichzeitig warnt Saba Kascha (HR-Chefin Canon), dass Jobs wegfallen und Karrieren künftig flexibler und brüchiger werden; HR müsse die Akzeptanz dafür in der Belegschaft vorantreiben.
- Technisches Unverständnis schürt Angst: Viele Menschen verstehen KI technisch nicht, was zu Sorgen führt. Michelangelo Canzoneri (Merck) rät, KI wie ein Kind das Fahrradfahren anzugehen: ausprobieren, hinfallen, weitermachen.
Der Artikel legt den Finger in eine strategische Wunde vieler Unternehmen:
- Das HR-Vakuum: Wenn HR nur noch Stellen abbaut und aufräumt, wer kümmert sich dann um die Transformation? Das Verharren in Pilotprojekten ist oft ein Symptom von Überforderung. Es suggeriert Aktivität, vermeidet aber die harte Arbeit der Skalierung.
- Angst durch Kompetenzmangel: Dass mangelnde Kompetenz zu den größten HR-Hürden zählt, ist alarmierend. Eine Abteilung, die die Technologie selbst nicht durchdrungen hat, kann einer Belegschaft unmöglich die Angst davor nehmen oder sinnvolles Upskilling betreiben.
- Das Ende der Linearität: Die ehrliche Ansage, dass Karrieren fließender und brüchiger werden, bricht mit dem historischen HR-Versprechen der "langfristigen Mitarbeiterentwicklung". Der Vertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird in der KI-Ära auf radikale Agilität umgeschrieben.
Basierend auf der Stagnation im Personalwesen wage ich diese Prognose:
- Entmachtung klassischer HR-Strukturen: Weil Personalabteilungen sich aus der Strategie zurückziehen (nur noch 41 % Beteiligung), werden CEOs künftig unabhängige "AI Transformation Offices" gründen, die das Change-Management und Upskilling der Belegschaft an HR vorbei steuern.
- Das Ende der Alibi-Piloten (ab 2027): Das Management, das KI aktuell noch gewähren lässt, wird bald harte Budgetschnitte vornehmen. Pilotprojekte, die "nur umherirren", werden radikal gestrichen, wenn sie nicht binnen weniger Monate einen messbaren ROI nachweisen.
- Dynamische Rollenbeschreibungen: Arbeitsverträge mit starren Jobtiteln (z.B. für die nächsten 20 Jahre) werden verschwinden. Sie werden durch agile Rollenportfolios ersetzt, bei denen Mitarbeiter je nach KI-Entwicklung quartalsweise neue Aufgabenfelder zugewiesen bekommen.
Warte beim Thema KI-Transformation nicht auf ein offizielles Konzept deiner Personalabteilung.
- Werde dein eigener Change-Manager: Da HR mit Einsparungen beschäftigt ist und strategisch den Anschluss verliert, musst du dein Upskilling selbst in die Hand nehmen. Nutze die "Fahrrad-Methode": Probiere KI-Tools im Alltag aus, scheitere, lerne daraus und mach weiter.
- Akzeptiere den Bruch: Verabschiede dich von der Illusion, die nächsten 20 Jahre denselben Job zu machen. Mache Resilienz und Flexibilität zu deinen Kernkompetenzen. Je schneller du bereit bist, dich auf völlig neue Aufgaben einzulassen, desto sicherer bist du.
- Fülle die Strategie-Lücke: Nur 11 Prozent der Unternehmen haben KI operativ/strategisch verankert. Das ist deine Chance! Wenn du derjenige bist, der KI-Tools aus dem "ewigen Pilotstatus" in einen festen Prozess deines Fachbereichs überführt, machst du dich unverzichtbar.





