Ergo baut 1.000 Stellen ab: KI ersetzt Routinejobs in der Versicherungswirtschaft
Der Versicherungskonzern Ergo plant, bis 2030 in Deutschland rund 1.000 Arbeitsplätze abzubauen und diese Aufgaben teilweise durch Künstliche Intelligenz (KI) zu ersetzen. Dies betrifft etwa 200 Stellen pro Jahr und folgt einem ähnlichen Schritt der Allianz-Tochter Allianz Partners (1.500 Stellen) Ende letzten Jahres.
Betroffene Bereiche & Strategie:
- Routineaufgaben im Fokus: Besonders betroffen sind Funktionen mit repetitiven und standardisierten Aufgaben wie in Callcentern, der Schadenbearbeitung oder einfachen Schriftgutbearbeitung.
- Sparprogramm der Mutter: Der Abbau ist Teil eines Strategieprogramms der Konzernmutter Munich Re, das bis 2030 Einsparungen von 600 Millionen Euro und eine deutliche Gewinnsteigerung vorsieht.
Soziale Abfederung: Ein Ergo-Sprecher betont, der Abbau solle freiwillig über natürliche Fluktuation und Altersteilzeit erfolgen. Betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen seien für die nächsten fünf Jahren ausgeschlossen. Parallel sollen rund 500 Beschäftigte in einer "Reskilling-Akademie" für neue Aufgaben qualifiziert werden.
Reaktionen & Kritik:
- Verdi warnt: Gewerkschaftssekretärin Deniz Kuyubasi fordert "Qualifizierung vor Personalabbau". KI dürfe kein Vorwand für Kostensenkungen auf dem Rücken der Beschäftigten sein, sondern müsse Arbeit unterstützen und entlasten.
- AfW skeptisch: Norman Wirth vom AfW Bundesverband Finanzdienstleistung bezweifelt, dass es bei den aktuellen Abbauzahlen bleibt, und erwartet einen größeren disruptiven Einfluss der KI auf Jobprofile als angenommen.
Die Meldung bestätigt den Trend, dass KI in der Verwaltungswirtschaft nun real Jobs kostet:
- Der "sanfte" Abbau als Vorbote: Die Zusage, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, ist politisch klug, ändert aber nichts an der Tatsache, dass 1.000 Stellen ersatzlos wegfallen. Die natürliche Fluktuation wird genutzt, um die Belegschaft zu schrumpfen.
- Reskilling als Feigenblatt? Dass 500 Mitarbeiter umgeschult werden sollen, ist positiv. Es bleibt aber die Frage, was mit den anderen 500 passiert und ob die neuen Aufgaben für die bisherigen Callcenter-Mitarbeiter überhaupt geeignet sind.
- Die Sorge vor der Disruption: Die Skepsis des AfW-Vorstands ist berechtigt. Die aktuelle Welle trifft die einfachen Routinejobs. Die nächste Welle der KI wird auch komplexere Sachbearbeitung und Analysetätigkeiten ins Visier nehmen. Die Zahl von 1.000 könnte nur der Anfang sein.
Basierend auf den Plänen von Ergo und Allianz wage ich diese Prognose:
- Das Ende des klassischen Callcenters (bis 2028): Die First-Level-Kundenkommunikation wird in der Versicherungsbranche fast vollständig von KI-Bots übernommen werden. Menschliche Agenten werden nur noch für komplexe, emotionale oder eskalierte Fälle eingesetzt (Second/Third Level).
- Die "Sachbearbeiter-Schmelze": Die Zahl der Arbeitsplätze in der allgemeinen Sachbearbeitung (Schaden, Antrag, Vertrag) wird sich in den nächsten 5 Jahren branchenweit halbieren. Die verbleibenden Jobs werden anspruchsvoller und technischer sein ("Case Manager" statt "Sachbearbeiter").
- Verteilungskämpfe und neue Arbeitszeitmodelle: Die Gewerkschaften werden den Fokus von der Verhinderung des Abbaus auf die Verteilung der Produktivitätsgewinne verlagern müssen. Forderungen nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich (4-Tage-Woche) werden als Antwort auf die KI-Dividende lauter werden.
Die Nachricht ist ein Weckruf für alle in administrativen Berufen.
- Analysiere deinen Routine-Anteil: Wenn dein Job zu großen Teilen aus standardisierten Aufgaben besteht (Daten prüfen, einfache Anfragen beantworten, Formulare bearbeiten), bist du direkt gefährdet. Warte nicht auf das Abfindungsangebot.
- Nutze das "Reskilling"-Angebot (oder schaffe dir dein eigenes): Wenn dein Arbeitgeber Umschulungen anbietet, greif sofort zu. Wenn nicht, investiere privat in Weiterbildung. Fokus auf Skills, die KI schwer ersetzen kann: komplexe Problemlösung, Empathie im Kundenkontakt, strategisches Denken, IT-Verständnis.
- Werde zum KI-Controller: Statt von der KI ersetzt zu werden, lerne, sie zu steuern und zu überwachen. In Zukunft werden weniger Sachbearbeiter gebraucht, die Fälle bearbeiten, aber mehr Experten, die die Ergebnisse der KI validieren und das System trainieren.

